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Rundfunk-Nostalgie [Beitrag #2498] Fr, 22 März 2013 17:59 Zum nächsten Beitrag gehen
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Ort: 26802 Moormerland
Mein Name ist Gerd Krause (Jahrgang 1946), ich bin beheimatet in der Gemeinde Moormerland in Ostfriesland. Schon im Alter von 5 Jahren faszinierte mich alles was mit Technik, vor allem aber was mit Elektrizität zu tun hat. Ich experimentierte gerne mit Batterien, Taschenlampenbirnen und Fahraddynamos herum und zog kreuz und quer durch das Haus (oft zum Leidwesen meiner Eltern) Leitungen und Drähte. Einige meiner "Wunderschaltungen" funktionierten sogar. Am interessantesten jedoch fand ich damals das Radio meiner Eltern, eigentlich das meiner Grosseltern, das sie sich 1938 gekauft hatten. Es war ein Philips Aachen D52, in einem wuchtigen Holzgehäuse. Regelmässig sonntags um 14 Uhr wurde präzise nach dem grünen magischen Auge der Nordwestdeutsche Rundfunk eingestellt, und ich hörte den Kinderfunk mit Eduard Marks, der wunderschöne Geschichten und Märchen vortrug. Nach nicht allzu langer Zeit wollte ich unbedingt wissen wie es wohl in dem Holzgehäuse aussehen würde. Irgendwie habe ich die Rückwand abmontiert und war vom Innenleben mit den leuchtenden Röhren des Radios begeistert. Ich weiss nicht mehr, ob ich es heimlich gemacht habe. An die Buchsen hinten am Chassis habe ich einen Kopfhörer angeschlossen und entdeckte noch so manche technische Spielerei mit dem Gerät.

Später im Alter von 10 Jahren zogen wir aus beruflichen Gründen meines Vaters nach Ostfriesland. Das Radio meiner Grosseltern stand nun in unserer neuen Wohnung lange Zeit oben auf dem Küchenschrank. Es funktionierte nicht mehr. Da in der Wohnstube inzwischen eine moderne Musiktruhe mit Plattenspieler stand, durfte ich nach langem Fragen und Drängeln den alten "Kasten" auseinandernehmen, was mir grosse Freude bereitete. Bis zum kleinsten Bauteil wurde das Gerät zerlegt. Einige Widerstände liegen heute noch in meiner Bastelkiste. Die grosse Skala montierte ich in einen Pappkarton und bekam sie sogar mit den 4Volt Birnchen zum Leuchten. Den Lautsprecher baute mein Vater in ein Sperrholzgehäuse ein und installierte ihn bei einem befreundeten Landwirt im Kuhstall. Angeblich sollten die Kühe bei flotter Musik mehr Milch geben. Ob es geklappt hat, bezweifle ich heute.

Die Technik rund um's Radio liess mich nicht mehr los. Kleinere Basteleien hatten immer etwas damit zu tun. Später dann, im Alter von 14 Jahren begann ich meine Lehre als Starkstromelektriker auf einer Emder Werft, wo auch mein Vater arbeitete. Starkstromtechnik hat bis auf die elektrischen Grundkenntnisse nichts mit dem Radio zu tun, aber zu der Zeit bot sich für mich keine andere Lehrstelle. Heute bin ich froh darüber, denn ich habe eine gute Ausbildung genossen und bin der Meinung, das es nicht gerade ideal ist, wenn Hobby und Beruf identisch sind. Meine späteren beruflichen Tätigkeiten hatten immer mit Elektrotechnik zu tun, doch Radio, Funk u. Rundfunk ist nach wie vor mein Hobby. Inzwischen geniesse ich nach 48 Berufsjahren den Ruhestand.

In der Lehrzeit lernte ich einen Kollegen kennen. Er erzählte mir von Spulen, Drehkondensatoren, Dioden und baute, wie konnte es anders sein, ein Detektorradio. Sofort besorgte ich mir in einem Emder Radiogeschäft, von denen es damals noch viele gab, eine Kreuzwickelspule, einen 500pF Drehkondensator und eine Germaniumdiode. Diese einfache Schaltung baute ich zusammen und siehe da, mein erstes selbstgebautes Radio gab Töne von sich. Meistens hörte ich einen starken holländischen Mittelwellensender, der in der Nähe war. Entsprechend motiviert wollte ich mehr. Ich besorgte mir Fachliteratur und wollte das schwache Detektorsignal mit einem Transistor verstärken. Mit einem OC70 für 8,--DM (vergesse ich nie) und kleinen Knopfzellen, die es damals Anfang der 60er schon gab, gelang es mir. Nun spielte mein Detektor aus einem kleinen Lautsprecher. Das Ganze passte in eine grüne Plastikseifendose und war für mich eine Sensation .
Nach einem solchen Erfolgserlebnis ging es natürlich weiter. Besagter Kollege aus meiner Lehrzeit machte die Amateurfunkprüfung, und somit wurde auch ich mit dem faszinierenden Hobby vertraut gemacht. Von ihm erstand ich einen einfachen Superhet Röhrenbausatz des Typs "NORIS" für Kurzwelle. Nach komplizierten aber erfolgreichen Abgleicharbeiten mit geliehenen Messgeräten konnte ich auf dem 80 Meter Band in AM Funkamateure hören. Ein riesiger Schritt, ich war begeistert. Jetzt wurden Bücher und Informationen beschafft, ich wollte auch Funkamateur werden.

1966 hatten wir in Emden unsere Wohnung gewechselt, was für mich als angehender Funkamateur von Vorteil war, denn ich konnte eine Kurzwellenantenne aufhängen. Es war eine 40m lange Dipolantenne, die am Schornstein unseres Hauses und an dem des Nachbarhauses befestigt wurde. Die Eigentümerin war erst nicht einverstanden, aber mit einem Blumenstrauss war die Sache erledigt. Jetzt musste unbedingt ein Funkgerät her. Die Firma Conrad in Hirschau vertrieb 1967 alte Militärfunkgeräte. Ich bestellte mir den "WS19", einen Kurzwellen- Sendeempfänger für das 80 und 40m Band. In einer Holzkiste kam er schliesslich an, und ich begann mit dem Herrichten des alten Gerätes. Ein Netzteil wurde gebaut und das hässliche olivgrüne Militärgerät bekam ein neues Gehäuse. Da eine Antenne schon vorhanden war, konnte ich es nicht lassen und musste den Sender ausprobieren. Ein holländischer Funkamateur rief "CQ", und ich antwortete mit einem erfundenen Rufzeichen. Er hörte mich, aber vor lauter Aufregung bekam ich keinen Satz zustande und schaltete schnell alles aus. Hurra, der Sender funktionierte.

Jetzt gab es für mich nur eines, weiterbüffeln für die Amateurfunkprüfung. Ich meldete mich im Deutschen Amateur Radio Club (DARC) OV Emden an und bekam Unterstützung von Gleichgesinnten. Fleissig wurde Morsen geübt, und 1967 bestand ich mit Tempo 40 die DE Prüfung (Deutscher Empfangsamateur). Ein Jahr später, im Dezember 1968 legte ich in Bremen dann die Prüfung für die Klasse A ab und war nun stolzer Besitzer des Rufzeichens "DK3JQ". Nach einigen QSO's (Funkverbindungen) die ich mit dem WS19 gefahren habe, stiegen die Ansprüche und es musste was besseres her. Ein moderner Transceiver der Marke Haethkit HW12 und später ein FTdx500 von Sommerkamp mit stattlichen 500 Watt Sendeleistung taten lange Jahre ihren Dienst. Mit einer bescheidenen Dipol-Antenne hatte ich mit etlichen Ländern auf allen KW Bändern Kontakt. 1973 kam dann was Neues hinzu, nämlich SSTV. Eine im DL-qtc beschriebene SSTV-Anlage baute ich nach und konnte nach anfänglichen Schwierigkeiten meinen Funkpartner auf einer nachleuchtenden Radarröhre nun auch sehen, was zu der Zeit etwas ganz besonderes war.

1975 wurde es etwas ruhiger um DK3JQ, denn er lernte seine heutige Frau kennen. Als bis dato eingefleischter Junggeselle musste er feststellen, dass es noch etwas anderes gab als zu funken. Es wurde ein Heim eingerichtet, geheiratet u.s.w., jedoch die Funkanlage blieb immer in Reichweite. Mit den Jahren wurde modernisiert, erweitert, gebastelt und fleissig gefunkt. Plötzlich gab es wieder etwas Neues, womit man erstaunliches anstellen konnte, nämlich ein Computer. Zuerst ein Commodore C16, dann ein C64, und Mitte der 80er ein hochmoderner Amiga 500 mit dem man sogar per SSTV Farbbilder übertragen konnte.

1987 wurde es wieder stiller um DK3JQ, er baute ein Haus. In Oldersum, Gemeinde Moormerland steht es und hat im Garten, einen Antennenmast mit einem drehbaren Kurzwellenbeam und UKW Antennen. Zum Funken und Basteln stehen nun zwei grosse Zimmer zur Verfügung, in denen per Kurzwelle die ganze Welt zu Gast ist. Auch eine Radio-Nostalgie-Ecke ist eingerichtet und so hat alles was mit meinem Hobby zu tun hat, einen ordentlichen Platz. Wenn es die Zeit erlaubt, restauriere ich alte Radios und beschäftige mich mit der Funk- u. Rundfunkgeschichte die ich auf CD's bzw. DVD-ROM zusammengestellt habe.

Vor einigen Jahren bekam ich von einem Emder Radiosammler das Gerät aus meiner Kindheit wieder und zwar das Radio meiner Grosseltern, mit dem mein Radioleben begann, ein Philips Aachen D52. Liebevoll wurde es hergerichtet und steht neben einigen anderen Oldtimern in meiner "Funkbude".

Inzwischen spielt auch der Computer eine grosse Rolle und ist mit meinem Hobby stark verbunden. Sicher wird es im Zuge des Fortschrittes immer wieder etwas Neues geben, was mich fasziniert. Nur muss es etwas mit Radio, Funk und Rundfunk zu tun haben. Alles andere ist doch langweilig oder... ?

Meine Web-Seite: www.rundfunk-nostalgie.de
Aw: Rundfunk-Nostalgie [Beitrag #2500 ist eine Antwort auf Beitrag #2498] Fr, 22 März 2013 18:26 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
RVM-AP ist gerade offline  RVM-AP
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stimmt. (Fast) alles Andere ist langweilig.

Herzlich Willkommen hier. Und Danke für diese amüsant geschriebene Vorstellung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich hier wohl fühlen und ein paar interessante Kontakte knüpfen können.
Und wir freuen uns, einen "alten Hasen" hier begrüßen zu können - Nur so erreichen wir unser Ziel, inzwischen fast vergessenes Sach- und Fachwissen zu erhalten und weiter zu geben.

Mit freundlichem Gruß
Andreas
Aw: Rundfunk-Nostalgie [Beitrag #2501 ist eine Antwort auf Beitrag #2500] Fr, 22 März 2013 19:43 Zum vorherigen Beitrag gehen
ulli ist gerade offline  ulli
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Gefällt mir ! Gruß aus Dresden. Ulli
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